Ein Kirchturm, der aus dem glitzernden Wasser ragt. Dahinter majestätische Berge, klare Seeluft und eine Landschaft, die zum Wandern, Radfahren und Entdecken einlädt. Der Reschensee im Vinschgau gehört heute zu den bekanntesten Urlaubszielen Südtirols. Doch unter seiner idyllischen Oberfläche liegt eine Geschichte, die bis heute bewegt.
Wer den berühmten Kirchturm von Alt-Graun betrachtet, blickt nicht nur auf eines der bekanntesten Fotomotive der Region. Er sieht auch das letzte sichtbare Zeugnis eines Dorfes, das einst seiner Heimat weichen musste. Kulturvermittler Ludwig Schöpf erzählt die Geschichte des Ortes und zeigt, wie aus einem Kapitel des Verlusts eine vielseitige Ferienregion entstanden ist.
Dort, wo heute Segelboote über den Reschensee gleiten und Kitesurfer den Wind nutzen, standen einst Häuser, Höfe und Kirchen. Für den Bau des Stausees zur Stromerzeugung wurden 1950 das Dorf Alt-Graun und große Teile von Reschen gesprengt und überflutet. Hunderte Menschen verloren ihre Heimat.
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Als einziges sichtbares Zeugnis ragt der Kirchturm der ehemaligen Pfarrkirche St. Katharina bis heute aus dem Wasser. Das historische Bauwerk ist zum Wahrzeichen des Vinschgaus geworden – und erinnert gleichzeitig an die Menschen und Orte, die unter dem heutigen See verschwanden.
Einer, der diese Geschichte lebendig hält, ist Ludwig Schöpf. Der pensionierte Grundschullehrer unterrichtete rund drei Jahrzehnte in Graun und führt heute das Vermächtnis des Zeitzeugen Pfarrer Alfred Rieper weiter. Bei seinen Führungen erzählt er von der Seestauung, den Folgen für die Bevölkerung und der Entwicklung der Region.
Die Geschichte rund um den Reschensee endet nicht am Kirchturm. Rund um den Reschenpass warten weitere Orte, an denen die Vergangenheit bis heute spürbar ist.
Besonders eindrucksvoll sind die historischen Bunkeranlagen des Alpenwalls. Bei Führungen durch den Bunker 20, den sogenannten Etschquellbunker, macht Ludwig Schöpf gemeinsam mit dem Verein Oculus die Geschichte des Grenzraums erlebbar.
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„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diesen Teil der Geschichte historisch interessierten Besuchern näherzubringen“, erzählt Schöpf. „Denn die Spuren des Zweiten Weltkriegs betreffen nicht nur unsere Gemeinde, sondern das ganze Land.“
Für Ludwig Schöpf lohnt es sich, im Obervinschgau genauer hinzusehen. Denn hinter der beeindruckenden Berglandschaft verbirgt sich ein außergewöhnlich reiches kulturelles Erbe.
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Burgen, Kirchen, Klöster und historische Ortskerne erzählen von Jahrhunderten voller bewegter Geschichte. Zu den besonderen Empfehlungen gehören das Museum Vinschger Oberland in Graun, die St.-Nikolaus-Kapelle in Rojen sowie die Churburg und die mittelalterliche Stadt Glurns.
Auch das Kloster Marienberg und das UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann in Müstair zeigen, wie eng Kultur und Landschaft in dieser Region miteinander verbunden sind.
Der Reschensee ist heute ein Ort für aktive Urlaubstage, stille Naturmomente und kulturelle Entdeckungen. Wanderungen, Radtouren und Wassersport verbinden sich mit einer Geschichte, die man nicht einfach übersehen sollte.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieser Region: Der Reschensee lädt dazu ein, die Landschaft zu genießen – und gleichzeitig innezuhalten. Denn manchmal erzählt ein einzelner Kirchturm mehr über einen Ort als jede Postkarte.
© Reschensee
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